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Omnivers Verlag

Seltsame Szenen im Canyon der Rockstars

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David McGowan
367 Seiten, Softcover
Omnivers, 2023

Deutsche Übersetzung des Untergrundklassikers von David McGowan.

Siehe auch NEXUS-Artikel:

Die Phönix-Hypothese: Im Kopf der Endzeit-Choreografen (NEXUS 102)

Der oberhalb von Los Angeles in den Hollywood Hills gelegene Laurel Canyon war in den 1960ern und frühen 1970ern ein magischer Ort, an dem sich eine schwindelerregende Anzahl von Musikern versammelte, um den Soundtrack ihrer turbulenten Zeit zu komponieren. Die Mitglieder von Rockbands wie The Byrds, The Doors, Buffalo Springfield, The Monkees, The Beach Boys, The Turtles, The Eagles, The Flying Burrito Brothers, Frank Zappa and the Mothers of Invention, Steppenwolf, CSN, Three Dog Night und Love sowie Sängerinnen und Sänger wie Joni Mitchell, Judy Collins, James Taylor und Carole King lebten und jammten zusammen in der malerischen, abgeschiedenen Atmosphäre des Laurel Canyons.

Aber die Szene hatte auch eine dunkle Seite.

Viele ließen im Laurel Canyon ihr Leben und viele dieser Tode bleiben bis heute geheimnisumwittert. Viel tiefer in der Szene verwurzelt, als es den meisten lieb ist, war ein Mann namens Charles Manson – zusammen mit seiner mörderischen Entourage. An der Peripherie der Musikerszene bewegten sich zahlreiche Handlanger des Establishments, aufstrebende Politiker und Geheimdienstmitarbeiter – die Sorte von Leuten, denen die Rockstars des Canyons ihre spektakulären Karrieren verdankten. All diese Charaktere – Rockstars, Hippies, Mörder und Politiker – residierten im Laurel Canyon fröhlich neben einer geheimen Militäranlage.

Rezension in NEXUS 110 von Peter Hiess

Für Menschen, die sich als wahre Musikfans bezeichnen – und das gilt nicht nur für solche im Alter von 70 Jahren oder mehr –, ist der Hippie-​Sound der Sixties und frühen Seventies nach wie vor unerreicht. Sie trauern der damaligen psychedelischen Musik (und allen anderen Genres, die damals erfunden wurden) sowie der bis heute quer durch alle Boomer-Medien zelebrierten „Gegenkultur“ nach und versuchen, deren angebliche Werte nach wie vor hochzuhalten.

Das Buch „Seltsame Szenen im Canyon der Rockstars“ des amerikanischen Autors David McGowan ist bestens dazu geeignet, sämtliche Illusionen, die sich um die Musik dieser Zeit ranken, zu zerstören. McGowan führt uns in seinem Werk – dessen erste drei Kapitel übrigens in NEXUS 34 – 36 erschienen sind – in den Laurel Canyon, eine Wohngegend von Los Angeles, in der sich plötzlich und „ganz zufällig“ in den 1960er-Jahren junge Männer und Frauen aus der ganzen Welt zusammenfanden, um aus dem Nichts zu Stars der Musikszene zu werden. Und das, obwohl der Laurel Canyon damals bereits seit 40 Jahren eine exklusive Kolonie für Prominente aus Hollywood war, die dort ihren nicht für die Klatschspalten bestimmten Neigungen nachgehen konnten. Macht nichts … weil die erwähnten jungen Herrschaften trotz der begehrten Immobilien des Canyons bald in Häusern und großzügigen Anwesen unterkamen, um dort ihre Karrieren zu beginnen.

Wie der Autor aus durchweg öffentlichen Quellen ermitteln konnte, beherrschten viele dieser künftigen Stars nicht einmal oder bestenfalls rudimentär ihre Instrumente; manche von ihnen waren sogar so arme Schlucker, dass sie nicht einmal ein Instrument besaßen. Aber auch das macht nichts … weil sie dennoch bald Plattenverträge in der Tasche hatten und ihre Songs die Charts anführten. Da störte es auch niemanden, dass die ersten Platten der Bands aus dem Laurel Can­yon von bewährten Studiomusikern eingespielt wurden – wenn man der Formation The Monkees (deren Mitglieder übrigens auch im Laurel Canyon wohnten) vorwirft, eine synthetische Band gewesen zu sein, gilt das daher genauso für Musikgruppen wie The Doors, The Mamas & The Papas, Buffalo Springfield, Love und wie sie alle heißen.

Letztlich ging es – auf diese Vermutung steuert David McGowan in seinem Werk zu – vor allem da­rum, eine Pseudo-Gegenkultur ins Leben zu rufen, die mit Love & Peace, psychedelischen Sounds, jeder Menge Drogen und Mystik bzw. Okkultismus das politische Poten­zial der Protestgeneration schwächen, pervertieren oder gleich zerstören sollte (was ja auch gelungen ist).

Die bedeutenden Vertreter dieser Szene, so weist der Autor nach, hatten über ihre Eltern oder in ihrem eigenen Lebenslauf beste Verbindungen zum berüchtigten militärisch-industriellen Komplex der USA. So war Jim Morrison beispielsweise Sohn jenes Admirals, der wahrscheinlich den Tonkin-Zwischenfall – Auslöser des US-Engagements im Vietnamkrieg – inszenierte; Frank Zappa Sohn eines Spezialisten für chemische Kriegsführung; John Phillips (Mamas & Papas) Sohn eines hochdekorierten Marines und selbst Zögling einer Militärakademie; David Crosby Waffenfetischist und (ebenso wie Jimi Hendrix) nach eigenen Aussagen für Spezialeinheiten des Militärs tätig usw.
Dass sich diese Leute, die in vielen Fällen der besseren US-Gesellschaft entstammten, plötzlich so gegen das Establishment wandten, deutet darauf hin, dass hinter der „spontan entstandenen“ Szene eine unsichtbare Hand steckte, möglicherweise die CIA, die ja auch für die massenhafte Verbreitung von LSD sorgte. Andere von McGowan angeführte Indizien dafür, dass nicht alles so eitel Wonne war, wie wir es immer noch von Pop-Historikern vorgesetzt bekommen, sind der Hang zu Okkultismus und Satanismus – der eventuell auch hinter der unverhältnismäßig hohen Anzahl von Todesfällen im Laurel Canyon stand, die verdächtig oft als Selbstmorde oder Unfälle zu den Akten gelegt wurden.

Außerdem wäre da noch die Verbindung vieler der erwähnten Musiker und der mit ihnen befreundeten „Young Turks“ aus Hollywood (u. a. Peter Fonda, Jack Nicholson, Dennis Hopper, Sharon Tate) mit der „Family“ des berüchtigten Charles Manson. Der Autor erwähnt auch, dass sich auf dem höchsten Hügel des Laurel Canyon, dem Lookout Mountain, schon Jahrzehnte vor der Invasion der späteren Hippie-Idole eine streng geheime Militärbasis der Air Force befand, dass es im Canyon jede Menge brutaler Morde, eine rege Kinderporno-Szene und Mafia-Aktivitäten gab, und dass das Ausmaß der Laster und Perversionen, die sich dort ausbreiteten, mit den degeneriertesten Auswüchsen Hollywoods mithalten konnte. Aber das, wie er nicht müde wird zu betonen, ist wahrscheinlich „alles nur Zufall“.

Man muss nicht alle von McGowan hergestellten Zusammenhänge nachvollziehen können, um „Seltsame Szenen im Canyon der Rockstars“ als hochinteressante Lektüre zu empfinden, die den Leser in eine bisher verborgene Alternativwelt der Popkultur entführt. Daher: unbedingte Empfehlung!